Brexit – Volkswirtschaftliche Überlegungen, 3. Quartal 2016

März 2017 | Detailinformation | Autor: Dipl. Vw. Wolfgang Quantschnigg

QUANTSCHNIGG’S ADVISORY FOR CREATING SUSTAINABLE VALUE

Die großen Veränderungen die wir durch den Brexit gerade erleben, zwingen mich – um eine Übersicht zu bewahren – zu einer Zusammenfassung der Momente / Gegebenheiten um mich / uns darauf einstellen zu können.


Volkswirtschaft und Unternehmen im Überblick


Die eingeschobene Zeilen meines Berichtes: 1. Quartal 2014 zeigen eigentlich Alles. Den rasanten Aufstieg Chinas und den Abstieg der Eurozone (BIP und Marktkapitalisierung) und Japans (BIP) und jetzt noch der Brexit. Natürlich ist die Veränderung der Relation USD zu EUR eine Erklärung, aber ist diese Veränderung nicht auch Ausdruck der EUR Schwäche?



Die Brexit Verlierer sind nicht nur in Großbritannien zu Hause, denn die Europäische Union verliert ca. 20% ihrer Wirtschaftskraft, 13% ihrer Arbeitnehmer, 30% (!) der Marktkapitalisierung am Aktienmarkt, den drittgrößten Nettozahler ins EU Budget und 10% ihrer Soldaten. Großbritannien hat die größte Armee Europas!

Der Brexit hat im Vereinigten Königreich eine Umwälzung an der Führungsspitze von Regierung und Regierungspartei gebracht. Theresa May, die neue Premierministerin hat sich den Austritt ohne Wenn und Aber auf ihre Fahne geschrieben. Sie will einen fürsorglichen Konservatismus, will Chancengleichheit für alle schaffen und stellt sich hierbei insbesondere gegen alte Züge der Vetternwirtschaft.


Geplante und bekannt gewordenen Aktivitäten hierzu:


Die Körperschaftssteuer soll von 20 auf 15% gesenkt, die Personen-Freizügigkeit eingeschränkt (ein Punktesystem wie in Australien oder Kanada), und das Pfund massiv gegenüber dem Euro abgewertet werden, sowie der Marktzutritt zur EU möglichst weit erhalten bleiben. Mit der Abkehr von der bisherigen Austeritätspolitik sollen Infrastruktur-Investitionen, gestützt vom Finanzministerium getätigt werden. Weiteres sollen in der Wirtschaft einige Elemente der Mitbestimmung nach deutschem Vorbild eingeführt werden; damit soll top down eine Orientierung nach Leistung erfolgen, dies zum überfälligen Produktivitätswachstum.

Die EU ist eine relativ protektionistische Organisation, die Einzelhandelsabkommen mit ca. 50 Staaten hat, aber leider nicht mit den wirklich wichtigen wie USA, China, Indien und der Golfregion. Die Briten glauben mit einer gewissen Berechtigung, dass sie ohne Einschränkung der EU mit diesen für sie traditionellen Handelspartnern relativ schnell Handelsabkommen abschließen können. Das gegenseitige Interesse wurde bereits aufgezeigt.

Für die internationalen Geschäftsbanken bleibt London sowieso weiterhin die erste Adresse denn es bietet die beste Infrastruktur mit Wirtschaftsprüfern, Anwälten, Versicherungsspezialisten etc. Internationale Kredit- und Wertpapierverträge sind vorwiegend nach britischem Recht gestaltet, das wiederum dem des Staates New York sehr ähnlich ist. Außerdem hat England wahrscheinlich die besten Schulen in der EU und ein großartiges Kulturangebot.


ZUSAMMENGEFASST:

Der Brexit eröffnet somit sowohl innen- außenpolitisch gewaltige Baustellen und gibt der neuen konservativen -Regierung wohl mehr Gestaltungsmacht als irgendeiner Regierung seit einer Generation. Die Regierung ist durch die Verhandlungen mit der EU in einer extrem starken Position gegenüber dem Parlament. Sie könnte dadurch viele Änderungen in der Innenpolitik als folgerichtig oder sogar als unausweichlich präsentieren und besser durchsetzen. Alles Punkte die wahrscheinlich auch in Schottland gewürdigt werden.

ICH MEINE:

Ob die Regierung diese Macht erfolgreich ausfüllt, ist eine Frage, die nur die Zeit beantworten kann.
Jedenfalls werden durch die Verhandlungen viele Strukturen der EU auch zu verändern sein, denn der „Kranke Mann Europas ist Europa selbst“.


Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Wolfgang Quantschnigg




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